Folge meinem Training auf Strava:


Sponsoren:

Links:


ASICS Beat The Sun

Ein Wettlauf gegen die Sonne, der Mensch gegen die Natur... Ein Erlebnis der ganz besonderen Art, auch wenn dieser Wettkampf nicht ganz fair zu sein scheint. Zu mächtig, zu imposant, zu stark ist der Gegner. Das ist uns allen bewusst. Und mit der Mächtigkeit und Schönheit der Natur sollten wir uns nicht anlegen. Wir sollten eins mit ihr werden, sie genießen, sie respektieren, sie als ein Wunder betrachten und es als ein unglaubliches Glück ansehen, dass wir uns in ihr bewegen dürfen. Das haben wir getan.  In einer Woche, von der ich immer noch komplett überwältigt bin. Die mir ein Erlebnis bereitet hat, von dem ich mein ganzen Leben werde erzählen und berichten können.

Sonntag, der 21.6.2015, 5:44Uhr, Sonnenaufgang: Der Startschuss zu einem unglaublichen Rennen fällt. Ich laufe los, getragen von der schier unbändigen Motivation mit einer schnellen ersten Etappe mein Team Nord Europa auf die Reise um den Mont Blanc zu schicken. Eine Reise voller Emotionen, voller Schweiß, voller beeindruckender Momente, voller Ungewissheit. Gänsehaut! Die erste Etappe ist kurz, 8,5km, überwiegend flach, gespickt mit ein paar kurzen, giftigen Anstiegen. 3min zeigt die Uhr nach dem ersten km. Verrückt! Morgens um 10 vor 6, nach 4h Schlaf... Der erste kurze Anstieg tut weh, tut sehr weh. Meine Beine haben nicht den Hauch von Energie, mein Magen meldet sich, ich muss Tempo raus nehmen und Team Süd Europa und Afrika ziehen lassen. Nach rund 30min schließlich der erste Wechsel. Ich bin zufrieden, habe mein Bestes gegeben und bin am Limit gelaufen. Der Tag sollte noch lang werden, schließlich war es die erste von 13 Etappen.  Die Uhr zeigt halb sieben als wir wieder im Hotel ankommen. Bis um 10 habe ich nun Zeit, versuche ein wenig Schlaf nachzuholen aber es funktioniert nicht. Meine Gedanken kreisen um das was noch vor mir und meinem Team liegt und ständig schaue ich im Internet auf den Live-Tracker. Was machen die anderen? Wie ergeht es ihnen? Mein Körper kommt nicht zur Ruhe.

Ich bin froh als es weiter geht, mit dem Bus in einer halben Stunde unter dem Berg, den wir laufend umrunden, hindurch nach Courmayeur, Italien. Hier startet Etappe 7, mein 2. Abschnitt den ich für mein Team an diesem Tag bewältigen darf. 4km, über 700 HM bergauf...  Langsam steigt die Anspannung, Wettkampfmodus. Was geben die Beine nach der ersten Etappe und dem horrendem Tempo noch her? Und was vermag ich in diesem steilen Gelände zu leisten? Schließlich sehe ich meine eigentliche Stärke immer noch auf der Straße und im flacheren Terrain. Bergläufe bestimmten bislang lediglich meinen Trainingsalltag. Die anderen Teams wechseln, ich muss warten. Wie lange, kann mir niemand so genau sagen, aber der Körper ist schon auf Vollspannung. Endlich der Wechsel. Mein Team liegt zurück, bereits 17min hinter der Sonne. Und das bei Halbzeit des Rennens.  Das bedeutet für mich: Vollgas! Alles was geht, um möglichst viel Zeit gut zu machen. Ich renne los. Durch den Ort hindurch 100m, 200m, dann eine scharfe Rechtskurve und ab in den Berg hinein. Ab jetzt also knapp 4km nur bergauf. Ich versuche meinen Rhythmus zu finden, mich ganz auf meinen Schritt zu konzentrieren, nicht nach oben zu schauen. Das Atmen tut schon nach 500m weh und ich schnaufe wie eine alte Dampflok. Immer weiter, Spannung halten, ein Schritt vor den anderen... Der Weg wird technisch anspruchsvoller, felsiger, steiler. Ich bin am Limit, habe keine Ahnung wie weit es noch ist. Egal, weiter! Immer weiter! Die Bäume werden lichter, der Trail ist wunderschön, atemberaubend. Schließlich ruft mir ein Wanderer, dem ich entgegen schnaufe, zu: still 5 minutes, 5minutes... Wie weit kann man seinen Körper treiben? Die Beine brennen. Eine letzte Rechtskurve, der Trail wird flacher, die Hütte und damit der Wechselpunkt ist in Sicht. Ich pushe mich ein letztes Mal, sinke zu Boden...geschafft! 6,7,8... tiefe Atemzüge: Ein Gefühl von größtem Glück überkommt mich. Ich schaue auf und sehe den Mont Blanc in seiner ganzen Pracht vor mir! Unter mir im Tal liegt Courmayeur. 10min habe ich gut machen können! Team Nord Europa ist wieder auf Kurs. Und ich verspüre einmal mehr, dass es nichts, aber auch überhaupt nichts Genialeres auf dieser Welt gibt, als das Laufen in der unendlichen Schönheit der Berge.

Die letzte Etappe für mich an diesem Tag ist die Vorletzte des Rennens. 5km bergab auf einem schönen Trail. Ich bin guten Mutes, dass wir es noch schaffen können schneller zu sein als die Sonne. Ein kurzer Zwischenstopp im Hotel, dann geht es weiter. Hinauf auf den Col de Balme. Ein Pass über 2000m.ü.M. hoch. die letzten Meter bewältigen wir mit Jeeps. Es ist inzwischen 18:30Uhr. Im Tal war es angenhem warm, Sommer eben. Hier oben pfeift uns ein eisiger Wind entgegen. Als wir oben ankommen, weiß niemand so genau, wann unsere Teamkollegen den Pass erreichen werden. Es beginnt eine lange Zeit des Wartens, die wir windgeschützt im Auto sitzend verbringen. Verrückt, denke ich: da sitzen wir nun, von jedem Kontinent ein Vertreter und philosophieren über die Welt, das Leben und das Laufen...auf einem Pass, 2300m hoch, mitten in den Alpen. Momente, die man sein Leben lang nicht vergessen wird und die ASICS Beat The Sun so einzigartig macht. 

Am Ende sitze ich alleine im Auto und trotzdem ist die Spannung noch da. Obwohl die anderen Teams inzwischen schon im Ziel sein dürften und der Wettlauf gegen die Sonne für Team Nordeuropa verloren ist. Aber was heißt schon verloren: Wir werden das Rennen zu Ende bringen, wir werden als Team den Mont Blanc umrunden und wir werden uns als Sieger fühlen. Gegen 20 nach 9 wechselt Christian Schiester auf mich. Es dämmert langsam, der Wind ist eisig kalt. Ich stürze mich in den Abstieg. Nicht zu steil, gerade richtig um seine Beine komplett zu zerstören, schlängelt sich der Weg ins Tal hinab. Ich hole nochmals alles aus mir heraus. Nachgeben gibt's nicht. Knappe 15min später der letzte Wechsel. Finn Vogler wird die letzten 12km im Dunkeln nach Chamonix laufen und unsere Staffel ins Ziel führen. Ich habe meinen Teil erledigt und spüre einen großen Druck von mir abfallen. 

Nach 17h und 11min, rund 1h 30min nach der Sonne, läuft Team Nordeuropa gemeinsam ins Ziel. Hier, genau an dem Punkt wo heute morgen um 5:44Uhr alles begann, ist jetzt der Platz für große Emotionen. Alle sind sie nochmals zur Ziellinie gekommen. Wir haben es geschafft, wir haben als Team den Mont Blanc umrundet und wir haben uns nicht unterkriegen lassen. Freude, Glück, Tränen...es ist absolut überwältigend!

Die Berge und die Sonne sprechen ihre eigene Sprache. Sich mit ihnen zu messen heißt auch zu wissen, dass die Natur stärker sein kann. Ich bin stolz auf das, was wir geleistete haben und vielleicht gibt uns die Natur ja nächstes Jahr nochmals die Chance, den Kurs in der entsprechenden Zeit zu laufen. Bis dahin ein riesiges Dankeschön an alle, die dieses Event möglich gemacht haben und natürlich an mein Team Nordeuropa! Ihr seid fantastisch und es war mir eine große Ehre mit Euch in einem Team laufen zu dürfen! 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0