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News

Fr

22

Jul

2016

20 Jahre später...

Ich sitze im Zug… mal wieder! Und mal wieder geht es zu einem Wettkampf weit weg von daheim. Ich blicke aus dem Fenster, höre Musik, denke an die Anfänge meiner Lauferei zurück… irgendwie werde ich beim Zugfahren gerne ein wenig sentimental. Oder zumindest denke ich gerne nach, über dies und das und gerne auch über das was war: Was passiert ist, was einen bewegt hat… 

 

Ich war 6 als mich mein Papa mitnahm auf unsere zweite gemeinsame Bergtour in die Alpen. Das Ziel: der höchste Berg Deutschlands, die Zugspitze! Nur noch bruchstückhaft kann ich mich an das Abenteuer damals erinnern. Eigentlich wollten wir über den Jubiläumsgrat aufsteigen: Ein traumhaft schöner und sehr ausgesetzter Klettersteig! Gerade auf dem Grat angekommen überraschte uns ein Gewitter. Zu gut weiß ich noch, wie mein Papa mich in Windeseile den Berg "runtergeworfen" hat: immer schön an der langen Leine, wie er heute noch gerne zu sagen pflegt. Der erste Anlauf auf den knapp 3000 Meter hohen Berg endete spektakulär im ersten richtigen Gewitter, das ich in den Bergen erlebt habe. Tags drauf stiegen wir über einen anderen Aufstieg dann doch noch bis ganz nach oben! Mein erster großer Berg: Ich war so stolz!!! 

 

Und heute? Heute, genau in diesem Moment, fahre ich zurück zu alter Wirkungsstätte, zurück zur Zugspitze, um den Berg in einem Wettkampf zu erlaufen! Die Event-Agentur Plan-B, die inzwischen zahlreiche große und spektakuläre Trailwettkämpfe in den Alpen ausrichtet (u.a. den Trans Alpine Run), hat sich der Veranstaltung seit zwei Jahren angenommen! Die Organisation ist immer fantastisch, die Events gelten als herausragender Maßstab für die ganze Trailszene. Auch das ist ein Grund dafür, weshalb ich mich riesig auf diesen Lauf morgen freue. Zu bewältigen sind 43,5km und knapp 4000Hm. Der Start ist morgens um 6 Uhr … Und auch dieses Mal sind wieder Gewitter angesagt. Hoffen wir mal, dass sie 20 Jahre nach meiner ersten Besteigung auf den Berg uns einen Gipfelaufstieg gewähren :).

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Fr

01

Jul

2016

Mein erstes Mal...

©Benedikt Seidl
©Benedikt Seidl

Ich schaue an mir runter: Da steht in großen weißen Buchstaben GERMANY auf meinem Trikot! Ich schaue nach links: USA, ITALY, BULGARIA... ich schau nach rechts: GREAT BRITAIN, IRLAND... mir läuft es kalt den Rücken herunter. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Gänsehaut! World Championships! So surreal und doch real... Ich bin dabei und es ist ein unglaubliches Gefühl! Seit ich diesen Sport betreibe habe ich davon geträumt, eines Tages einmal mein Land bei einer großen internationalen Meisterschaft vertreten zu dürfen; einmal in meinem Leben das Nationalmannschaftstrikot überstreifen zu dürfen. Jetzt renne ich gemeinsam mit den weltbesten Trail- und Bergläufern in den ersten langen Anstieg. Die Sonne scheint, die Bedingungen sind perfekt... Es ist angerichtet aus diesem 18. Juni 2016 einen ganz besonderen Tag zu machen!

 

Vorne geht die Post ab... Kaum zu glauben, dass jeder hier im Feld 42km mit knapp 3000 Höhenmetern vor sich hat. Ich reihe mich ein in ein Feld voller bedeutender Namen, voller Ehrfurcht und Respekt und trotzdem gewillt der Welt zu zeigen, was in mir steckt. Groß ist die Gruppe, die sich um Position 10 herum sortiert. Ich übernehme die Führung, versuche dadurch meinen eigenen Rhythmus zu finden, sich nicht mitreißen zu lassen. In den Serpentinen blicke ich mich um und sehe aufgereiht Athleten aus allen Nationen dieser Welt...einer fitter aussehend als der andere. Schon Tage vor dem Rennen habe ich mir ausgemalt, wie das Rennen wohl ablaufen wird, welches Tempo angeschlagen wird, wie sich meine Beine anfühlen sollten am ersten Berg. Und nun, in diesem Moment, in dem die ersten schweren Kilometer absolviert werden, verspüre ich ein gutes Gefühl, das mir Sicherheit geben würde für das gesamte Rennen. Die Beine sind frisch, das Tempo ist nicht unmenschlich... ich fühle mich stark und konkurrenzfähig. Jetzt nur nicht überpacen, einfach mitlaufen, konzertiert sein Ding machen und genießen! Wer weiß, wie oft man noch die Möglichkeit bekommt bei einem solchen Event laufen zu dürfen.

Den ersten Berg erreiche ich ca. an Position 6 liegend. Ich befinde mich im Tunnel, fokussiert auf das, was kommt. Ich gehe im Kopf das Streckenprofil durch. Der erste Berg ist geschafft, aber im Grunde war das bloß der Auftakt - 13km... und noch knapp 30 liegen vor uns. Die Landschaft ist atemberaubend schön, wie ich später auf Fotos feststelle. In jenem Augenblick kreisen meine Gedanken um andere Dinge! Ich begebe mich in den Downhill, lasse es laufen oder besser, ich vermute ich lasse es laufen. Der Weg ist steil, alpin, hoch anspruchsvoll... Liegt mir eigentlich, denke ich! Die Jungs hinter mir sind da scheinbar anderer Meinung. Einer nach dem anderen zieht an mir vorbei in einem Tempo... Naja, Risiko ist untertrieben, lebensmüde trifft es eher! Egal... WM... was die können, kann ich auch! Also hinterher! Ich bleibe dran, irgendwie. Als es wieder flacher wird, finde ich mich in einer Dreiergruppe mit einem Engländer und einem Italiener wieder. Gemeinsam absolvieren wir das wellige Zwischenstücke zwischen dem ersten und zweiten Berg. Position 6, 7, 8.Zum ersten Mal wage ich mir Gedanken über eine mögliche Top-10 Platzierung zu machen. Wenn jetzt noch alles gut läuft... nein, nein, nicht daran denken! Weiter laufen, konzentrieren, essen, trinken.

Der zweite Berg kommt erst noch und jeder hat im Voraus behauptet, dass das Rennen dann erst richtig los geht. Auf 6km sind 1200Hm zu bewältigen. Unsere Dreiergruppe löst sich mit Beginn des zweiten Anstiegs auf. Der Italiener stürmt davon, lässt den Briten und mich stehen wie zwei Straßenlaternen. Ungläubig blicke ich ihm hinterher. Am Ende wird er Weltmeister. Ich versuche meinen eigenen Rhythmus wieder zu finden. Gar nicht so leicht nach einem so harten Downhill. Die Beine sind müde, die Kräfte schwinden, der Weg wird immer steiler. An Laufen ist nicht mehr zu denken, Gehen ist ab sofort das Mittel zum Zweck. Es wird ein Kampf gegen den Berg und seinen eigenen Körper! Es ist die Phase des Rennens, in der es vor allen Dingen auf eines ankommt: die psychische Willensstärke! Etwas mehr als eine Stunde schwerste Arbeit, dann ist das Ende des zweiten Berges endlich in Sicht. Oben schütte ich zwei Becher Cola in mich hinein. Der Brite ist in Sichtweite, ca. 100-200m vor mir. Wenn ich richtig gerechnet habe, müsste ich an Position 7 liegen. Es stehen die letzten 7km bergab ins Ziel an. Ich versuche Gas zu geben, technisch sauber zu laufen, die Füße gut zu setzen und Druck zu machen. Immer wieder geben meine Muskeln nach und ich sacke in mich zusammen. Weiter, immer weiter! 4km vor dem Ziel wird der Weg zu einer breiten Forststraße. Der technische Part ist geschafft, jetzt wirklich nur noch laufen lassen, laufen lassen, laufen lassen...3min auf den Kilometer und trotzdem nicht schnell genug! Ein weiterer Brite und ein Pole ziehen an mir vorbei. Ich fühle mich, wie ein absoluter Laufanfänger. Irgendwann höre ich einen Zuschauer den letzten Kilometer ankündigen. Ich mobilisiere nochmals alle meine Kräfte, überhole den Briten, der auf dem zweiten Berg noch ein paar Meter vor mir war und laufe als 8. über die Ziellinie. Völlig entkräftet, völlig leer, Schmerzen am ganzen Körper und dennoch einer der schönsten Momente in meinem Leben! Wie sehr ich diesen Sport liebe... 

 

Am Ende ist ein 8. Platz im Einzel und eine Bronzemedaille mit der Mannschaft etwas, mit dem ich niemals gerechnet hätte! Mir fällt es schwer, auch jetzt, knapp 2 Wochen nach dem Event, das Geschehene zu realisieren. Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich die Chance bekommen habe, dabei sein zu dürfen. Nicht nur das Rennen, sondern die ganzen 4 Tage in Slowenien mit einem fantastischen Team, waren einzigartig! Vielen Dank an die Betreuer, die an der Strecke beste Arbeit geleitet haben, vielen Dank an alle daheim, die mitgefiebert und Daumen gedrückt haben und den größten Dank an meine Mannschaftskollegen, die alle großartige Leistungen abgerufen haben und durch die das Event zu einem einmaligen Erlebnis wurde! 

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Di

14

Jun

2016

Weltmeisterschaft - alles nur ein Traum?

Echt jetzt? WM? Nationaltrikot? In unendlicher Ferne und dennoch immer ein ganz großer Traum: Einmal dabei zu sein, bei einer internationalen großen Meisterschaft! Einmal sein Land vertreten zu dürfen in der Sportart, die man so liebt und in die man so viel Zeit steckt! Auf einmal ist dieser Traum ganz nah und scheint Wirklichkeit zu werden. Realisieren kann ich es noch nicht so ganz, aber am Samstag werde ich an der Startlinie einer Weltmeisterschaft stehen. Und das nach einem Winter, der alles andere als optimal verlief. Geglaubt hatte ich daran nicht mehr wirklich, aber wenn man etwas will, dann scheint es auch zu funktionieren. Das hat mir dieser Sport schon so oft gezeigt.

Und ja, ich fühle mich gut! Die letzten Leistungstest verliefen super, allen voran der Sieg bei der Freiburger Laufnacht vor zwei Wochen. Ich konnte meinen Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen und bin unendlich glücklich darüber. Dieses Rennen, das von meinem Heimatverein ausgerichtet wird und mitten durch die Freiburger Innenstadt führt, ist immer etwas ganz Besonderes. Auch wenn die 6,6km wohl nichts mit der Strecke in Slowenien bei der WM zu tun haben werden, so geben sie mir mental doch eine enorme Zuversicht.

Die anschließenden Trainingswochen waren gut und die Vorfreude auf Slowenien ist riesig! Mit welchen Erwartungen ich mich an die Startlinie stelle? Bei einem solchen Rennen kann alles passieren: 42km, 2800Hm... jeder wird an seine Grenzen kommen und dann zählt ganz allein der mentale Wille sich zu quälen - wie so oft im Ausdauersport. Also: Vorfreude, Spaß und eine gesunde Portion Gelassenheit! Ein Traum wird Wirklichkeit!!! :) 

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Mo

09

Mai

2016

Der Weg zurück...

Der Winter war aus sportlicher Sicht zum Vergessen! Im Dezember gab's die Diagnose: Anriss der Plantarfaszie... Pause, Stosswelle und jede Menge gute Ratschläge... Was für eine Herausforderung! Woche um Woche verflog, Woche um Woche sah ich meine Ziele für 2016 dahin schwinden. Einige Einheiten versuchte ich so gut es ging durch Schwimmen oder Aquajoggen im Wasser zu kompensieren.

Anfang März ging es mit dem Team von leistungsdiagnostik.de nach Portugal ins Trainingslager. In erster Linie als Trainer, aber ich wollte es wagen und auch selbst die ersten Laufschritte im neuen Jahr langsam unter die Füße nehmen... Die Sonne, die Wärme, das Meer, die gute Stimmung: All das trug irgendwie dazu bei, dass der Fuß zu halten schien, mein Körper diese elendige Verletzung besiegen wollte! Es war ein großartiges Gefühl endlich wieder zu laufen!

Die folgenden Wochen musste ich mich bremsen... nicht zu viel dem Fuß zumuten... langsam steigern! Ich saß viel auf dem Rad: Grundlagentraining und zudem fantastische Trainingspartner mit denen jede Ausfahrt ein Erlebnis war und ist. Langsam kehrte die Form zurück und der Mut wieder intensivere Einheiten in Angriff zu nehmen. Ein erster Formtest war gleichzeitig für mich ein Debüt: Zum ersten Mal wagte ich mich an einen Duathlon... ein paar Radkilometer waren ja schließlich zusammen gekommen inzwischen. 4km Crosslauf, 12km Mountainbiken, 4km Crosslauf... War das ein Spaß! Mit meiner Leistung war ich super happy und zufrieden! Endlich durfte ich mich wieder zu der Wettkämpfe-bestreitenden-Sportgemeinschaft zählen. Ich konnte mir wieder Gedanken über eine Saisonplanung machen. Und eines meiner Ziele hatte ich nach dem guten Einstand immer noch fest im Blick: Die Berglauf-Langstrecken-Weltmeisterschaft in Slowenien. Also begann eine harte Trainingsphase, mit vielen Radkilometern, den ersten längeren Bergläufen, einem kleinen Formtest zwischendurch beim Münstertäler Panoramalauf und abschließend noch einer intensiven Trainingswoche unter der Sonne Gran Canarias. Alles um endlich wieder die Form vom letzten Jahr zu bekommen und beim Trailmarathon in Lichtenstein eine gute Leistung abrufen zu können. Die Freude über das Training, über jeden einzelnen Kilometer, über jede Einheit war riesig! Endlich wieder raus und laufen, endlich wieder Natur, endlich wieder Trails, Schweiß und dieses unfassbar geile Gefühl nach einem langen Training nach Hause zu kommen und zu wissen: Ich hab's geschafft! Oh, wie hab ich das vermisst...

Mit großer Vorfreude, aber ein wenig Ungewissheit ob der bestehenden Form, stellte ich mich vergangenen Samstag an die Startlinie vom Lichtenstein Trailmarathon. Großartig all die Gesichter wieder zu sehen und gemeinsam eine wunderschöne Strecke unter die Füße zu nehmen. Und ja, ich wollte Vollgas geben, von Anfang an...wollte schauen, was nach diesen 2 Monaten Training möglich war und wollte meinen Körper bis ans Limit bringen. Das hab ich geschafft! Von Anfang an lief ich das Rennen von vorne und es lief gut, eigentlich sogar sehr gut! Bis km 20... irgendwie schienen die Muskeln an diesem Tag nicht ganz so zu können, wie mein Kopf wollte. Bei km 25 spürte ich die ersten Krämpfe! Was war bloß los? Klar, es war heiß, klar, mir fehlten sicherlich noch die ganz langen Läufe dieses Jahr... aber so früh schon Krämpfe? Es wurde eines der härtesten Rennen, die ich je gemacht habe: immer wieder Gehpausen, Dehnen...immer wieder mental sich aufraffen, weiter laufen, aufs Tempo drücken...immer wieder die Gedanken irgendwo zwischen Erinnerungen an die Qualen vergangener Rennen und ein potentielles WM-Ticket... Ich biss mich durch, irgendwie! Und dann: 2km vor dem Ziel schienen meine Verfolger immer noch einen recht großen Abstand zu haben...langsam löste sich meine innere Anspannung, langsam realisierte ich, dass es reichen könnte! Die Erleichterung im Ziel ist nicht in Worte zu fassen: Die Verletzung, das Training, das Rennen... In Phasen einer Verletzung lernt man Demut! Und man geht mental gestärkt daraus hervor, solange man die Leidenschaft niemals aus den Augen verliert! 

Ob es für eine WM-Nominierung gereicht hat, weiß ich noch nicht, aber den Winter, den hab ich inzwischen vergessen! 

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Mi

30

Dez

2015

Zeit zum Nachdenken

Das, was man hat, genau in dieser einen  Lebensphase, in diesem einen Moment schätzen zu können, ist wohl eine der hohen Künste unseres Lebens. Häufig ist es doch so, dass wir erst im Nachhinein, wenn die Dinge oder Momente nicht mehr existieren, anfangen sie zu schätzen... Absurd, aber irgendwie menschlich. Ein kleines  bisschen ergeht es mir momentan so. Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen! Ein Jahr voller absolut gigantischer Höhepunkte, voller Erfolge und toller Begegnungen. Ein Jahr, in dem ich so viele unglaubliche Dinge erleben durfte und das mich bis in die Haarspitzen motiviert hat, im kommenden Jahr genau dort wieder anzuknüpfen. Es lief und lief und lief immer irgendwie gut.

Und dann kam Ende des Jahres doch der Dämpfer: Seit Anfang Dezember plagt mich eine Verletzung, die kein Lauftraining zulässt. 3 Wochen sind seither vergangen. 3 Wochen, in denen man anfängt die Erfolge und die tollen Erlebnisse dieses Jahres Revue passieren zu lassen. Mit jedem Tag, der ohne Lauftraining vergeht, entfernt man sich ein Stück von der da gewesenen Form, mit jedem Tag schätzt man die Erfolge, die erbrachten Leistungen, das alltägliche Training mehr und mehr. Sich davon nicht unterkriegen zu lassen, sondern die Bilder im Kopf und das Erlebte zu nutzen, stark und mit viel Freude irgendwann wieder die Laufschuhe schnüren zu können, darum geht es jetzt. Also richtet sich der Blick nach vorne, auf das Jahr 2016! Das so viele Möglichkeiten bietet und so viel bereit halten wird. Der Blick zurück zaubert mir dennoch ein Lächeln ins Gesicht. Freiburg Marathon, ASICS Beat the Sun, Trans Alpine Run und zum krönenden Abschluss noch der 3. Platz bei der Wahl zum ASICS Frontrunner des Jahres... Das waren die Höhepunkt, ja, sicher! Aber eigentlich gibt es tausende Momente in Wettkämpfen oder beim Training, die mir immer wieder zeigen, warum ich diesen Sport mit einer solch großen Leidenschaft  betreibe. Danke an alle, die mich dabei unterstützt haben, die mich begleitet und an mich geglaubt haben. Trotz Verletzung: Ich kann mich nicht beklagen, wahrlich nicht! Ich bin unglaublich glücklich darüber all das erleben zu dürfen und ich schätze es mehr, als ich es vielleicht jemals zuvor getan habe. Das Leben ist dazu da, um es zu genießen und sich seine Träume zu verwirklichen. Auch im Jahr 2016! Guten Start allerseits! Keep on running and ENJOY!!! :)    

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Sa

05

Sep

2015

TRANS ALPINE RUN 2015 - Tag 8

Jetzt IST ES VOLLBRACHT! Ich könnte heulen, nein, ich habe geheult... beim Zieleinlauf!!! Emotionen pur! WAHNSINN, WAHNSINN, WAHNSINN! In Worte zu fassen, was da heute abging, ist unmöglich! Ich habe schon unzählige Zieleinläufe erleben dürfen, aber das war die Krönung meiner bisherigen sportlichen Karriere und ich bin einfach nur unglaublich glücklich und stolz so etwas erlebt haben zu dürfen!

Die Etappe lief nochmals richtig gut, auch wenn das Wetter heute Morgen, ausgerechnet am letzten Tag, sich von seiner schlechtesten Seite präsentierte. Das bedeutete Alternativroute: Nicht ganz so spektakulär, nicht ganz so technisch anspruchsvoll, nicht ganz so anstrengend? Wohl kaum. Zwar war diese Strecke rund 600HM und 3km kürzer, aber für Beine, in denen eine Tour quer über die Alpen steckte, ist jeder km eine extreme Belastung. Zu Beginn der Etappe ging es bergab, auf Asphalt, 15km. Die Waden wurden hart wie Beton. Dieser Trans Alpine Run befördert wirklich jeden einzelnen Muskel an die Grenze des Belastbaren. Die Verwunderung darüber, dass trotzdem noch ziemlich locker unter einem 4er Schnitt gelaufen werden kann, ist groß. Wenn man nur will, ist unser Körper einfach phänomenal und brutal leistungsfähig. Zusammen mit den im Gesamtklassement auf Rang 1 und 2 liegenden Teams gingen wir in den ersten Anstieg. Die Teams waren, wie die vergangen Tage auch stärker, aber wir fanden ein letztes Mal unseren Rhythmus. Hinter uns kam lange nix...beruhigend! Mit jedem Meter konnten wir uns mental auf unseren großen Erfolg vorbereiten. Mit jedem Meter wuchs der Wille, das Ding nach Hause zu laufen und seinen Körper ein letztes Mal bis zum Äußersten zu quälen. Als es dann schließlich in den finalen "Downhill" ging, hieß es einfach nur noch genießen. Wir schlossen wieder zu den beiden erstplatzierten Teams auf. Die letzten 4km bewältigten wir zusammen um schlussendlich gemeinsame Sache zu machen. GEMEINSAM, als eine Gruppe, die großes Geleistet hat. Das ist Trailrunning, das ist es, warum Laufen so unglaublich genial sein kann.  Es kam der große Moment: Zieleinlauf in Sulden im Team...Die 3 Erstplatzierten im Gesamtklassement gemeinsam über den Zielstrich einer Reise, die ein Leben lang mich prägen wird! Es war grandios! Tränen der Glückseligkeit und Überwältigung drücken wohl am besten das aus, was in diesem einzigartigen Moment in mir vorging.

Und nun? Muss ich das erst einmal alles realisieren und verarbeiten. Ohne Laufschuhe, ohne Training... Aber ich werde wiederkommen, das steht fest! Der Transalpine Run hat zweifellos Suchtcharakter.

Zum Abschluss gilt mein allergrößter Dank in erster Linie natürlich Benny! Ein Lauf, ein Team... man durchsteht so unfassbar viele emotionale Höhen und Tiefen, ist auf den anderen angewiesen, verflucht ihn, feiert mit ihm... es hat von Anfang an harmonisiert und wir haben das Ding gemeinsam gerockt! DANKE!!!

Außerdem hatten wir das beste Material, das man sich vorstellen kann: ASICS, Sziols, Dextro Energy, IQ-Tape! Danke für die Unterstützung!!!

Und zu guter Letzt ein ganz großes Dankeschön an alle, die Ihr mitgefiebert habt, die Benny und mir Ihre Anteilnahme mitgeteilt habt, die Ihr Daumen gedrückt und in Gedanken immer bei uns wart. Es war großartig zu wissen, dass so viele mental dabei waren!

So, und nun wird gefeiert! Wir haben es uns verdient :)   

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Fr

04

Sep

2015

TRANS ALPINE RUN 2015 - Tag 7 

Es ist fast vollbracht! FAST... noch steht die letzte Etappe bevor. Noch stehen harte letzte 40km auf dieser unglaublichen Route über die Alpen auf dem Plan. Heute wurde das vorletzte Puzzleteil erfolgreich "eingesetzt"; mit Qual, hartem Willen und unglaublichem Ehrgeiz. Die Strecke: Atemberaubend. Atemberaubend schön, aber auch atemberaubend anstrengend. 37,8 lange KM, nochmals 1600 schwere HM und dann war das Ziel im wunderschönen St. Valentin im Vinschgau endlich erreicht. Endlich Italien... Das Land, in dem unsere Reise, unser Traum morgen ein Ende finden wird.

Mit großem Respekt und viel Ungewissheit sind wir heute auf die Etappe gestartet. Was würden die Beine nach den gestrigen harten und zehrenden KM sagen? Und was lässt der Körper nach knapp 200 gelaufenen KM mit unzähligen Höhenmetern überhaupt noch mit sich anstellen? So einiges... zum Glück! Die ersten 8km ging es flach, sogar leicht abfallend, das Tal hinunter. Ich drückte aufs Tempo; wollte schon früh und möglichst vor dem langen Anstieg ein deutliches Zeichen gegenüber unseren direkten Verfolgern im Gesamtranking setzen. Da kam mir eine flache Strecke gerade recht. Es gelang! Meter um Meter konnten wir uns absetzten und gingen als 3. Team in den langen aber unglaublich beeindruckenden Anstieg. Steile Felsen, Wasserfälle, traumhafte Singletrails: Da war es wieder, dieses einmalige Gefühle in großartiger Natur zu laufen und alles um sich herum zu vergessen. Es war fantastisch!!! Gegen Ende der Etappe wurde es trotzdem nochmals hart. 37km bleiben eben 37km und tun irgendwann immer weh. Und wenn man bereits schon 230km in den Beinen hat: Naja, das macht es wohl kaum besser! Ein im Gesamtklassement weit hinter uns liegendes Männer Team überholte uns auf den letzten ansteigenden Metern. Platz 4! Und im Ziel? Wo blieben unsere direkten Verfolger in der Gesamtwertung? Warten... mit jeder Minute entspannten sich Körper und Geist...11min!!! YEAH! 11min haben wir heute gut machen können. 11min, die in uns ein großes Gefühl der Glückseligkeit auslösten! Gearbeitet, gekämpft, belohnt! Wir haben es uns verdient! Nun gehen wir mit 14,5min Vorsprung morgen auf die finale Etappe!! Wir werden nochmals jeden einzelnen KM genießen, und  wenn es sein muss bis zum bitteren Ende beißen, beißen, beißen... Das Ziel ist greifbar - Keep pushing!!! 

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Do

03

Sep

2015

TRANS ALPINE RUN 2015 - Tag 6

Die Etappe nach einem Regenerationstag soll  ja häufig besonders schwer sein. Zumindest hat man das schon des öfteren von Radsportlern auf ihren großen Rundfahrten gehört. Es scheint was dran zu sein... Von Anfang an war dieser Tag mehr Qual als Genuss... Die Beine schwer, der Kopf langsam müde, dazu eine Etappe bei der man sich größtenteils in recht dünner Luft über 2000HM bewegt hat. Aller Anfang ist hart, das durften wir bereits von Etappe zu Etappe eindrücklicher erfahren. Die Muskeln, der müde Kreislauf, der Kopf... alles scheint mit zunehmendem Rennverlauf immer länger zu brauchen, um den altbewährten Rhythmus zu finden und richtig auf Hochtouren zu kommen. Heute brauchten unsere Körper besonders lange.

Der ganze erste lange Anstieg war, naja, eben nicht so spaßig. Mit der ersten Verpflegungsstation änderte sich das ein wenig... langsam schienen wir unser Tempo gefunden zu haben. Aber uns war beiden schon früh zu Beginn der Etappe bewusst, dass es heute ein ganz hartes Ding werden würde. Auf den ersten langen Anstieg folgte ein "Downhill"-Part, auf dem wir uns auf unsere Stammposition, Rang 3, vorarbeiten konnten. Der folgende Anstieg wurde zur Tortur: zum ersten Mal auf den bis dato gelaufenen 6 Etappen mussten wir wirklich kämpfen... Und wirklich meint wirklich! Unsere direkten Verfolger, ein Team aus der Master-Wertung und bis dato rund 7min im Gesamtklassement hinter uns, nahm uns im Anstieg vier Minuten ab. Unglaublich was man an Zeit in den Bergen auf einem solchen Anstieg ganz schnell verlieren kann! Der Kopf und der Wille war es heute, der uns trotzdem nach oben beförderte, wenn auch nicht ganz so schnell wie erhofft und gewollt. Nach dem höchsten Punkt folgte ein 10km langer, extrem steiler Weg ins Tal zum heutigen Ziel in Scuol. Alles, was nun zählte, war Schadensbegrenzung...also Vollgas und rennen, was die Beine bergab hergaben. Verloren haben wir an Zeit wohl nichts mehr und so stand am Ende ein 3. Platz in der Männer-Kategorie zu Buche. Im Gesamtklassement haben wir allerdings ein wenig bluten müssen. 3,5min beträgt unser Vorsprung noch auf Rang 4. Die nächsten zwei Etappen werden die Entscheidung bringen müssen und die Beine werden nicht fitter. "Einen schwarzen Tag hat jeder mal", heißt es aus renommierten TAR-Kreisen und wenn dieser unserer werden und bleiben sollte, so haben wir trotzdem noch das Beste draus gemacht und einen ganz großen Einbruch mit viel Wille und Herz vermieden! "Think positive and go on!!!"... Es wird spannend :)  

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Mi

02

Sep

2015

TRANS ALPINE RUN 2015 - Tag 5

Regen. Endlich. Der Wunsch nach dem kühlen Nass ging uns in den letzten Tagen gefühlt an die tausend Mal durch den Kopf. Und wenn er dann da ist, wünscht man sich doch wieder die Sonne... Zum heutigen "Regenerationstag" kam er trotzdem ganz gelegen. Regenerationstag? Naja, Bergsprint! 6,23km, über 700HM. Die HM werden in ca. 3,5km bewältigt. Damit hat sich das mit der Regeneration dann auch erledigt. Aber die Vorfreude auf diesen Tag war trotzdem sehr groß. Endlich mal wieder ausschlafen, endlich mal keine Tasche packen und endlich mal kein 3-5h laufen, sondern nur eine knappe Stunde. Bis vor 2 Jahren war 1h Dauerlauf noch eine normale bis "längere" Einheit, bei diesem Rennen ist eine Stunde kaum der Rede wert.

Im Voraus wurde mir immer wieder dazu geraten, an diesem Tag nicht zu überpacen, es locker anzugehen und die Muskeln zu schonen. In umgekehrter Reihenfolge wurde alle 30sek ein Team auf die Strecke geschickt. Unsere Taktik: Möglichst schnell auf unsere direkten Verfolger im Gesamtklassement auflaufen und das angeschlagene Tempo einfach mitgehen. Aber wie jeden Tag, kam es dann doch wieder anders als geplant. Die ersten Meter flach auf Asphalt, dann leicht ansteigend und schlussendlich auf einem super schmalen Trail, quasi geradewegs auf direktem Weg ging es nach oben. Durch die vielen vor uns gestarteten Teams, wurde der Trail über die Almwiesen zu einer extremen Schlammschlacht: eine steile und rutschige Angelegenheit! Nicht nach oben schauen, Rhythmus finden und "bam, bam, bam". Es lief mal wieder prima. Schnell waren unsere direkten Verfolger überholt. 48:37min zeigte die Uhr im Ziel und damit hatten wir wieder 2min im Gesamtklassement auf Rang vier gut gemacht. Insgesamt waren wir als Team die 4. beste Zeit des Tages gelaufen, perfekt! Es scheint alles irgendwie besser zu laufen, als wir uns es jemals hätten erträumen lassen. Es ist einfach genial!

Wohl wissend, dass die nächsten drei Tage nochmals eine ganz, ganz harte Sache wird, genießen wir nun unseren Nachmittag im Schwimmbad und im Hotelbett: Damit die geschundenen Körper und Muskeln der immer größer werdenden Motivation weiter folgen können. Wir freuen uns auf morgen!!!     

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Di

01

Sep

2015

TRANS ALPINE RUN 2015 - Tag 4

Mühsam zwingen wir uns dazu Brötchen, Obst, Müsli etc. in unsere Körper zu befördern. Gesprochen wird nicht viel, nur das nötigste. Was auch, morgens um 5! Die Augen sind schwer, die Beine tun weh, der Geist möchte nur schlafen, regenerieren, ausruhen. Die Vorstellung in 2h die Königsetappe des TAR über 45km mit insgesamt über 2800HM Aufstieg zu laufen, in diesem Moment unvorstellbar. Eine Methode damit umzugehen ist Verdrängen. Aber spätestens wenn man gegen 6Uhr an der Startlinie eintrudelt und den ganzen Tross an Läufern sieht, ist es vorbei mit der Verdrängung. Das Unvorstellbare wird langsam Realität. Mit jeder Sekunde, die der Start näher rückt, muss nun mental der Schalter umgelegt werden. Gedankenbestimmend sollte nicht mehr "Ich hab Schmerzen, ich will nicht mehr, ich bin müde...", sondern "Ich will, also kann ich!!" sein. Los gehts!

Das heutige Ziel liegt in Samnaun, aber daran denkt man auf den ersten Metern am besten nicht. Das erste Ziel ist der "longest ascent" des kompletten TAR. 1600HM bergauf, am Stück... das macht Spaß! Zumindest, wenn man es geschafft hat. Schnell haben wir im Anstieg wieder "unsere" Position gefunden. Schritt für Schritt geht es nach oben. Es hat schon etwas meditatives wie Höhenmeter um Höhenmeter erklommen werden. Und das ist gut so, denn genau dann vermag der Körper die beste Leistung zu bringen. Der Kopf denkt nicht mehr und der Körper arbeitet. Zuverlässig wie ein Uhrwerk. Unsere Uhrwerke haben mal wieder fantastisch gearbeitet. Konstant, ausdauernd, präzise. Stück für Stück konnten wir unseren Vorsprung auf Platz vier ausbauen. Die letzten 8km taten weh, besonders mental...in diesem Fall ist Cola eine absolute Wunderwaffe. Überglücklich durften wir schlussendlich zum dritten Mal in Folge als drittes Team gesamt unseren Zieleinlauf genießen. Noch mehr Cola, ein eiskaltes alkoholfreies Weizen, leckere Zielverpflegung und Liegestühle! Das Leben ist ein Traum und wir leben ihn hier! 

Heute Abend gehts zur Siegerehrung und Pastaparty auf den Berg... Mit der Gondel versteht sich. Allerdings dürfen wir ihn am morgigen Tag laufend bezwingen, natürlich. Bergsprint. Wir haben uns vorgenommen diese 6km gemächlich anzugehen... Aber das ist im Moment noch Zukunftsmusik!

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